König Ödipus

(Bodo Wartke)

Regie

Caroline Stolz

Bühne und Kostüm

Lorena Díaz Stephens

Jan Hendrik Neidert

Mit

Evelyn M. Faber
Stefanie Hellmann
Friederike Ott

Premiere

14.01.2011

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

 

Das Staatstheater Wiesbaden hat sich die Fassung des Kabarettisten nun vorgenommen und für die Außenstelle Wartburg unter der Regie von Caroline Stolz zu einer Drei-Darstellerinnen- und ein-Musiker-Variation ausgebaut. Eine gute Idee, ein lässiger Abend. Evelyn M. Faber, Stefanie Hellmann und Friederike Ott treten als Schlagersterne auf und singen auch immens entspannt den Song von der Ironie des Schicksals. Ausgerechnet im Quatsch aber zeigt sich größte Sorgfalt, das gehört schon seit einiger Zeit zum Erlebnisrepertoire der Wartburg-Besucher. 

FRANKFURTER RUNDSCHAU, 17.01.2011


Man hätte das kleine Off-Theater des Wiesbadener Staatstheaters an diesem Abend wohl zweimal füllen können, so groß war die Neugier auf die Uraufführung der Theaterfassung des "König ödipus" von Bodo Wartke. In der von Caroline Stolz mit brillantem Timing inszenierten Bühnenfassung dürfen Evelyn M. Faber, Stefanie Hellmann und Friederike Ott zeigen, was für Erzkomödiantinnen sie sind, dass sie singen können und sich auch für den köstlichen Quatsch des Geräuschemachens nicht zu schade sind. Unterstützt werden sie dabei von Timo Willecke, der dem Drama mit Gitarre und allerlei offen vor ihm ausgebreiteten Utensilien einen durchgeknallten Hörspielsoundtrack unterlegt, der für gut die Hälfte der Lacher des Abends sorgt. Das Premierenpublikum feierte die Darsteller, Regie und den anwesenden Autor frenetisch. Alles spricht dafür, dass es in der Wartburg auch künftig recht eng wird, wenn es vom traurigen "König ödipus" heißt: "Der Story fehlt das Happy End - das ist zwar ein bisschen schade, doch leider werkimmanent."

FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG, 17.01.2011



Ob Knabe, Könige, Hirten, Seher - hier führen die Frauen das Wort im Mund und das Mikrofon in der Hand; und wenn es um Orakel (korrekte Ansprache: "Yo-rakel!"), Sphinx und Königin geht, sowieso. Die Schauspielerinnen Evelyn M. Faber, Stefanie Hellmann und Friederike Ott haben die schwarzen Hosen an - und die ebenfalls schwarzen Blusen dazu auch. Dem Regieteam und dem Ensemble hat es sichtlich Spaß gemacht; dem Publikum - nimmt man die auf einen künftigen Wartburg-Renner hindeutenden Werte des Applausometers nach der Premiere - auch. Der anwesende Autor wird mit den Worten "Ich fand es total spannend und bin sehr stolz" zitiert.

WIESBADENER KURIER/TAGBLATT, 17.01.2011



Lange schon bestückt der Kabarettist Bodo Wartke die Bühnen mit "König ödipus" als One-Man-Show. Nun hat er daraus eine gereimte Revue rund um den unglückseligen "Motherfucker" gemacht. Das Menschheitsdrama als Lachnummer. Die Regisseurin und Leiterin der Spielstätte Wartburg, Caroline Stolz, die jetzt die Uraufführung der Theaterfassung besorgte, verteilt den Text auf drei weibliche Schultern: Evelyn M. Faber, Stefanie Hellmann und Friederike Ott. Drei Frauen, drei Stimmlagen, drei Temperamente. Jede spielt jeden, und jede mimt mal ödipus. Caroline Stolz inszeniert das Stück mit Improtheater-Schnoddrigkeit und Spaß an der augenzwinkernden Anspielung. Damit könnte ihr "König ödipus" ebenso erfolgreich werden wie schon ihr Kriminalkomödien-Dauerbrenner ""Hitchcocks "39 Stufen"". Mit Stefanie Hellmann hat sie eine Schauspielerin, die noch den blödesten Witz mit rampensäuischer Grandezza zündet, Evelyn M. Faber dient ihr als erfahrenes Orakel wie reizend blinder Teiresias, und Friederike Ott rockt den Saal nicht nur mit ihrer rauchigen Mafia-Paten-Stimme. Gut möglich, dass sich das Stück als Theater-Renner entpuppt. Das Zeug zum Quotenhit bringt es mit. 

NACHTKRITIK, 14.01.2011

 

Die Tragödie von "König ödipus" als fetziger Theaterspaß? Im Wiesbadener Staatstheater ist die Neudichtung des antiken Dramas von Bodo Wartke vom Publikum begeistert aufgenommen worden. Und auch dem Autor gefiel es: "Ich fand es spannend und bin sehr stolz", sagte Wartke (33) der dpa. Der Klavierkabarettist, Gewinner des Deutschen Kleinkunstpreises 2004, trägt seine Sophokles-Nachdichtung seit zwei Jahren als Soloprogramm vor und schlüpft dabei in 14 Rollen. In der Wiesbadener Premiere vom Freitagabend sorgten drei Schauspielerinnen und ein Geräuschemacher für irrwitziges Tempo in der bekannten Geschichte. Die Wiesbadener Inszenierung von Caroline Stolz in der kleinen Spielstätte Wartburg dürfte ein Renner werden. 

ECHO ONLINE, 15.01.2011